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The creation of image and sound in real time. Collaboration between Kristina Frei and Marko Timlin (Helsinki, Finnland).




Text/Gutachten zum Projekt ZEIT_RAUM von Kristina Frei und Marko Timlin geschrieben von Jost Funke, Professor für Bildende Kunst und Kunstgeschichte./Bremen
In dem vielfältigen Szenario gegenwärtige Kunst nimmt das Projekt ZEIT_RAUM einen besonderen Rang ein. Es basiert primär auf visuellen und akustischen Konfigurationen, die im Zusammenwirken von Künstlerin /Künstler konzipiert und realisiert werden. Wesentlich ist, daß die jeweiligen Aktionsräume durch Medien z.B. Monitore ,Spiegel, Schaufensterpuppen definiert sind, die einerseits Teil der Installation bleiben, zum Anderen als aktiv integrierte Elemente der Performance eingesetzt werden. Das Projekt bezieht seinen Charakter als Avantgarde-Kunstwerk zunächst - aber nicht ausschließlich durch die mediale Inszenierung im Raum. Der Faktor Zeit wird durch das verwendete Klang-und Bildmaterial insbesondere aber durch den darin und damit agierenden Künstler eingebracht. Musikalische und filmische Abläufe bilden das Kontinuum der Zeit, während die Ordnungsgefüge des Raumes die Ortung des gesamten Kunstwerks realisieren. Diese Ortung betrifft den in ihr handelnden Musiker ­ aber in unausweichlicher Direktheit auch das Publikum. In einer Position zwischen Differenz und Indifferenz oszillieren die Wahrnehmungen des Publikums zwischen statischen und dynamischen Eindrücken: der Realraum wird in einen Illusionsraum transformiert, der mit neuen Qualitäten gleichsam aufgeladen wird , so in dem Segment "das Universum - perfect random". Für die Rezeption durch ein Publikum ist diese Transformation von besonderer Bedeutung,da sich in ihr die essentiellen Elemente der künstlerischen Botschaft des Projekts erfahren lassen. Innerhalb der einzelnen Segmente von ZEIT_RAUM werden die jeweiligen Anteile von Zeitabläufen und Raumkonzepten unterschiedlich gewichtet und akzentuiert. In den Beschreibungen durch die Künstler wird verdeutlicht, daß die Elemente der Rauminstallation relativ eng determiniert sind (ganz im Sinne eines klassischen Raumkunstwerks) während die musikalischen Realisationen in reagierender Inspiration während eines Prozesses des Floating entstehen und daher unvorhersehbar, keinesfalls planbar (etwa durch Notation) sind. Das gesamte Objekt enthält neben visuellen und musikalischen Anteilen auch schauspielerische und tänzerische Elemente ,z.B. in dem Segment "zeitleerer Raum", in dem durch Körperbewegungen über eine interaktive Klangmaschine Klänge generiert werden. Hier wird das anwesende Publikum direkter Zeuge der Entstehung von künstlerischen Neuschöpfungen. In allen Momenten des Projektes ist das Publikum beteiligt und im engsten Sinne des Wortes "involviert"; daher ist es hervorragend für jegliche öffentliche Präsentation geeignet : einmal wegen seiner polysensorischen Qualitäten darüber hinaus aber vor allem wegen der emotionalen Anmutung, der sich niemand entziehen kann. Dies verdeutlicht sich exemplarisch in "Schreie", in denen ein suggestives Zeremoniell mit deutlich sakralen Anteilen inszeniert wird. Aber auch hier wird innerhalb der Installation das eigentliche Kunstwerk erst in der Aktion und Interaktion erkennbar. "Kuenstliche Schönheit(en)" schließlich demonstriert noch einmal den Transfer von dreidimensionaler Realität in eine neue "Kunstschönheit", die durch den Antagonismus von Vertrautem (Schaufensterpuppen) und aleatorisch Innovativem (klangliche Improvisation) beeindrucken wird. In der Zusammenfassung stellt sich das Projekt "ZEIT_RAUM" als eine Konzeption dar, die auf ideale Weise intellektuelle und emotionale,traditionelle und avantgardistische Elemente verbindet und hierdurch neue Dimensionen in der Relation Mensch-Technik aufzeigt. Es ist damit "eine ferne Nachbildung vom unendlichen Spiele der Welt, dem sich selbst bildenden Kunstwerk" (Friedrich Schlegel,Gespräch über Poesie) © Jost Funke 2006